Stromausfall!

Gastbeitrag von Benjamin Arlet https://survicamp.de/
 

Stell dir vor, du machst den Kühlschrank auf, und alles bleibt dunkel: Der Stromausfall ist eines der wahrscheinlichsten (und leider auch gefährlichsten) Krisenszenarien. Und zwar dann, wenn er zum einen lange dauert, also beispielsweise 7 oder 14 Tage; und zum anderen, wenn er großflächig ist, sich etwa über ganz Deutschland erstreckt.

Wie würde so ein Szenario aussehen? Was passiert an Tag 1, wie leben wir eine Woche später? Unser Artikel „Stromausfall!“ beschäftigt sich nacheinander mit den Folgen eines großflächigen und langanhaltenden Blackouts über insgesamt 8 Tage.

Tag 1

Plötzlich fällt der Strom aus. Nacheinander werden in kurzen Abschnitten erst Stadtviertel, dann Städte und Gemeinden, schließlich ganze Bundesländer dunkel. Bald ist klar: In ganz Deutschland herrscht ein Blackout.

In der Stadt

Durch den Stromausfall fallen sofort die Ampeln aus. Unfälle und Staus verstopfen in Sekundenschnelle die Straßen, du kommst nur noch langsam voran. Das Verkehrschaos wird Krankenwagen sowie die Einsatzfahrzeuge der Polizei und der Feuerwehr behindern.

An den Tankstellen fallen die Treibstoffpumpen aus, sodass du dort nicht tanken kannst. Die meisten Menschen haben ab sofort nur noch so viel Treibstoff, wie noch in ihren Autos ist. Autobahntunnel werden bald geschlossen, weil dort die Beleuchtung sowie Be- und Entlüftung ausfallen.

Die Aufzüge in Gebäuden, Tiefgaragen, usw. bleiben stecken. Auch U-Bahnen, S-Bahnen und elektrisch betriebene Fernzüge bleiben liegen. Wenn du dort eingeschlossen bist, wirst du evakuiert werden – aber weil die Rettungskräfte gerade überall gleichzeitig sein müssen, kann das dauern.

Die Straßenbahnen sowie Elektrobusse, die auf die Oberleitung angewiesen sind, stehen sofort still. Die Weichen müssen manuell gestellt werden, um die liegengebliebenen Fahrzeuge abzuschleppen. Doch vielleicht hast du in einem Elektrobus gesessen, der über einen Dieselmotor verfügt. Dieser wird trotz des Stromausfalls noch fahren. Vielleicht bringt er dich sogar noch bis zu deinem Ziel.

Zu Hause

Sobald zu bei dir zu Hause bist merkst du, dass deine Küchengeräte nicht mehr funktionieren und dass Kühltruhen und –schränke auftauen. Warmes Essen aus Ofen, Herd und Mikrowelle kannst du vorerst vergessen.

Der Druck in den Wasserleitungen sinkt, sodass die Wasserversorgung verringert wird. Davon sind vor allem Wasserleitungen in oberen Etagen betroffen. Je höher die Etage, desto ungünstiger. Ab dem vierten Stock fällt die Wasserzufuhr aus. Ein paar Mal kannst du noch auf die Toilette gehen, danach musst du dir Alternativen suchen.

Dein Festnetztelefon funktioniert nicht mehr. Das Funknetz deines Mobiltelefons wird überlastet sein, das Telefonieren oder Nutzen von Diensten wie SMS unmöglich. Dein Mobiltelefon kann nur dort funktionieren, wo Notstrom die vom Mobiltelefon benötigten Basis- und Fernmeldestationen versorgt. Öffentliche Telefonzellen sind ebenso funktionstüchtig, wie etwa Notrufsäulen an Autobahnen, in Tunneln oder an Bahnhöfen.

Internet kann nur von akkubetriebenen Geräten wie Laptop, Smartphone, etc. erreicht werden. Die Verbindung braucht aber eine mit Strom versorgte Basisstation, die die Verbindung zum Internet herstellt. Damit gelten dann die Einschränkungen wie beim Telefon.

Dein Fernseher ist ohne Betrieb. Die Nachrichten hörst du aus batteriebetriebenen Radios oder durch Kurbeln aufladbare Radios – wenn du ein solches da hast. Zeitungen können mit Hilfe von Notstrom weiterhin produziert werden. Wie viel und wie lange, hängt davon ab, wie gut die Notstromaggregate mit Treibstoff versorgt werden können.

Auf dem Land

Ein weiterer vom Stromausfall betroffener Bereich ist die Landwirtschaft:
In Betrieben der Landwirtschaft, die keine Notstromversorgung haben, entzünden sich die Euter der Kühe, weil sie ohne Maschinen nicht gemolken werden können. Ohne Luftzirkulation, Kühlung und Heizung in den großen Ställen sind Schweine und Hühner in akuter Gefahr.

Auf der Schiene

Falls du in einem Personenzug mit Diesellok reist, wird deine Fahrt noch fortgesetzt werden können, falls die Strecke frei ist. Dein Zug wird dann im nächsten Bahnhof anhalten.

Einige dieser mit Dieselloks betriebenen Züge werden steckenbleiben, z.B. weil ein liegengebliebener elektrischer Zug die Weiterfahrt blockiert oder ein Eisenbahntunnel gesperrt ist. Mit Eintritt des Blackouts fallen dort sowohl Licht als auch Signalanlagen aus. Die Tunnel werden deshalb gesperrt und halten deine Zugfahrt trotz Diesellok auf.

Hat du den Bahnhof erreicht, stellst du fest: die Heizungen, Ticketautomaten und -schalter sind ausgefallen. Die vorhandenen Taxis sind in kürzester Zeit vergeben. Im schlimmsten Fall musst du auf dem Bahnhof verweilen.

Mit fortdauernder Zeit des Stromausfalls am ersten Tag werden die Bahnhöfe zunächst geschlossen. Die Einkaufsläden in den Bahnhöfen schließen ebenfalls.  Bis zu dieser Zeit konntest du dich auf dem Bahnhof mit Proviant versorgen – zumindest wenn du Bargeld dabei hast.

Verkehr und Transport

Beim Güterverkehr der Bahn kommt es beim Be- und Entladen zu Problemen, da die nötige Technik, vom Stromausfall betroffen ist. Güter können nicht mehr auf Lkw umgeladen werden. Einige der Güterzüge werden auf der Strecke liegenbleiben, wenn ein Tunnel gesperrt sein sollte.

Dank Dieselantriebs und großen Tanks können diverse Güterzüge das vom Stromausfall betroffene Gebiet durchqueren und ggf. dort entleert werden.

Schon nach wenigen Stunden kommt die Belieferung von Großhändlern und Supermärkten ins Stocken. Der nur auf Lkw angewiesene Güterverkehr funktioniert, solange die Tanks der Lkw Sprit haben. Doch durch die Staus auf den Straßen verzögert sich das Ausliefern der Waren zum Handel. Die von dir ersehnte Ware trifft deshalb später beim Händler ein, als es geplant war.

Auf den Flughäfen wird über Notstrom der notwendigste Betrieb aufrechterhalten. Damit wird sichergestellt, dass Flugzeuge wenigstens noch landen können, um die Leben der in ihnen befindlichen Passagiere zu retten. Starts sind nur in begrenztem Ausmaß möglich.

Medizinische Versorgung

Falls du einen Arzt oder ein Medikament brauchst, wirst du dich in ein Krankenhaus begeben müssen, denn viele Arztpraxen und Apotheken sind ohne Stromversorgung und werden schließen. Ärzte können ihren Dienst dann z.B. noch in den Sammelstellen ausüben, die mit Strom versorgt werden.

Weiterhin geöffnete Apotheken passen ihre Öffnung an das Tageslicht an.

Verderbliche Arzneimittel gibt es nur noch in Krankenhäusern. Zusätzliches Krankenhauspersonal wird aktiviert. Krankenhäuser erhalten eingeschränkten Betrieb durch Notstrom aufrecht.
Von den Dialysezentren, Alten- und Pflegeheimen müssen wenige teilweise schließen, die betroffenen Patienten und Senioren werden in die Krankenhäuser verlegt.

Essen & trinken

Lebensmittel kannst du in Geschäften mit Notstromversorgung kaufen. Die Händler ohne Notstrom werden den Betrieb notdürftig am Laufen erhalten, etwa mit Handkassen. Die Ladenöffnung wird an das Tageslicht angepasst. Lüftungen, Heizungen, Kühlungen versagen. Lebensmittel verderben infolgedessen und werden schnell verkauft. Bezahlen mit EC-Karten oder Kreditkarten entfällt. Die Waren werden an der Kasse an die Kunden ausgegeben, die Beleuchtung durch Taschenlampen o.ä. hergestellt. Bezahlt wird nur in bar.

Wenn du Wasser aus der Leitungs trinkst, ist erst einmal Schluss damit: In höheren Stockwerken funktionieren die Wasserhähne nicht mehr, und wo sie noch funktionieren, ist wahrscheinlich die Qualität stark beeinträchtigt. Wenn du clever bist, holst du die letzten verbliebenen Wasserreste aus deiner Toilettenspülung und aus den Heizungsrohren und lagerst sie in Eimern oder der Badewanne.

Versorgung mit Bargeld

Die Geldautomaten fallen aus. Ausnahme: Die direkt an Bankgebäuden angebrachten und die dortige Ersatzstromversorgung angeschlossenen Geldautomaten. Banken sind mit Notstromversorgung ausgestattet und verlagern über gesicherte Datenleitungen die Abwicklung von Geschäftsprozessen in Gebiete, die vom Stromausfall nicht betroffen sind.

Bargeldtransporte, die bei Beginn des Stromausfalls unterwegs sind, erreichen die Banken noch. Kommunikation mit den Banken über Telefon oder Internet entfällt wegen des weitgehenden Ausfalls dieser Systeme. Du bist auf deinen Bargeldbestand angewiesen. Bis auf weiteres halten die Banken ihre Schalter offen, so dass du dort von deinem Konto Geld in bar abheben kannst.

Schon jetzt befürchten die Banken einen sogenannten „Bank Run“, bei dem die Menschen mehr Bargeld abheben wollen als vorrätig gehalten wird. Es entstehen erste Pläne, einen maximalen Abhebebetrag einzuführen.

Tag 2 bis 4

Bis zum Tag 3 erleben die Menschen auf dem Land und in der Stadt eine nie gesehene Welle von Solidarität und gegenseitiger Hilfe. Die Hoffnung ist groß, dass der Strom bald zurückkehrt. Zur Information der Bevölkerung werden Informations- und Anlaufstellen als „Leuchttürme“ eingerichtet. Dort können sich auch Menschen informieren, die helfen wollen und wissen möchten, wo und wie sie dies können. Diese „Leuchttürme“ sind einfach zu finden, denn sie sind hell erleuchtet und strahlen von erhöhten Punkten weit in die Ferne.

Vereinzelte Plünderungen, Überfälle und Straßenkämpfe, vor allem seitens organisierter Banden, scheinen noch die Ausnahme zu sein. Doch mit jeder kalten Mahlzeit, mit jeder Unannehmlichkeit, mit jedem Toilettengang in den Notunterkünften steigt der Frust und der Optimismus sinkt. Ab Tag 4 des Blackouts beginnen die Menschen, mehr an ihr eigenes Wohl zu denken.

Die Polizei ist im Dauereinsatz. Kriminelle Organisationen testen systematisch Schwachstellen und sehen ihre große Stunde gekommen. Da die meisten Alarmanlagen und Sicherheitssysteme nicht mehr funktionieren, werden immer mehr Warenlager ausgeräumt.

Versorgungsengpass

Der Bundesbürger verfügt im Schnitt nur über 118 Euro Bargeld. An Tag 4 des Stromausfalls hast du diesen Betrag wahrscheinlich schon vollständig ausgegeben – vor allem für Nahrungsmittel und Wasser. Wenn du doch noch etwas Geld hast und dir etwas kaufen möchtest, stehst du bald in einer langen Schlange und musst feststellen, dass im Supermarkt alle Lebensmittel-Regale leer sind. Überall schließen die Geschäfte, weil weder Waren noch Bargeld mehr im Umlauf sind.

Seit Tag 2 des Stromausfalls ist in der Stadt alles ausverkauft: Neben dem Essen auch Dinge wie Kerzen, Decken, Brennstoff, Camping-Zubehör und Fahrräder. Lieferungen erfolgen nur eingeschränkt, da der fehlende Strom das Be- und Entladen erschwert und die Lieferfahrzeuge oft keinen Kraftstoff haben. Zudem steht fast überall die Produktion still.

Die industrielle Weiterverarbeitung von Lebensmitteln findet nicht mehr statt. Selbst Tiefkühllager, die mit Notstrom versorgt werden, müssen nach wenigen Tagen abgeschaltet werden, da der Treibstoff fehlt. Warme Mahlzeiten sind keine Selbstverständlichkeit mehr. Denn Essen warm machen kannst du nur mit Gas-, Benzin-, Spiritusbrennern oder über offenem Feuer.

Suppenküchen

Zur Versorgung der Bevölkerung gibt die Regierung ihre Notreserven frei. Die Verteilungsstätten werden von der Polizei und vielleicht auch der Bundeswehr gegen Plünderer geschützt. Wenn du keine Lebensmittel mehr vorrätig hast oder kein Bargeld mehr besitzt, um welche zu kaufen, wirst du dich in eine der Sammelunterkünfte begeben, um etwas zu essen zu finden. Warme Mahlzeiten werden durch Großküchen des Deutschen Roten Kreuzes, des THW und der Bundeswehr bereitgestellt.

In der Landwirtschaft fällt die Notstromversorgung aus. Der dafür vorgesehene Treibstoff ist ausgeschöpft. Die Melk- und Stalltechnik ist außer Funktion. Die Versorgung mit Futter, Wasser und Frischluft lässt sich manuell nicht leisten. Die Tiere verenden, ihre Kadaver werden bald zum gesundheitlichen Problem.

Bauernhöfe, die noch Nahrungsmittel gelagert haben oder noch zur Nahrungsmittelproduktion fähig sind, werden nacheinander enteignet und die Verteilung der Lebensmittel von den Behörden übernommen.

Wassernotstand

Die Trinkwasserversorgung wird über Notbrunnen sowie über mobile Sanitärwagen hergestellt. Das Wasser transportierst du in Eimern oder Kanistern in deine Wohnung. Da die Verteilung vor allem in Städten eine extreme Herausforderung ist, werden vermutlich nicht alle Menschen mit genug Wasser versorgt.

Die wenigsten haben Wasserfilter oder Reinigungstabletten vorrätig. Die Bestände wurden schon kurze Zeit nach Beginn des Stromausfalls zu horrenden Preisen ausverkauft. Wasser abzukochen kostet viel wertvollen Brennstoff. Wer sich aus Fluss- oder Seewasser behilft und es nicht aufbereitet, muss damit rechnen, krank zu werden.

Falls in deiner Wohnung noch Wasser aus der Leitung kommt, kannst du es erst trinken, nachdem du es mit Entkeimungsmitteln versetzt oder abgekocht hast.  Warmes Wasser gibt es keines mehr bei dir zuhause. Deine gewohnte Körperpflege entfällt. Deine Toilettenspülung funktioniert schon seit Tag 1 nicht mehr. Es werden Trockentoiletten und mobile Toilettenwagen für die Bevölkerung bereitgestellt.

Krankenhäuser füllen sich

Selbst Krankenhäuser erhalten Trinkwasser nur in reduzierten Mengen. Sie greifen zum Teil auf nahegelegene Notbrunnen zurück. Aufgrund des immer geringeren Drucks in den Abwasserleitungen treten Abwässer aus. In vielen Krankenhäusern geht zudem der Treibstoff für die Notstromaggregate zur Neige. Die Patienten müssen in Kürze an einen anderen Ort gebracht werden.

Für besonders pflegebedürftige Menschen, etwa Komapatienten, kann keine Versorgung mehr bereitgestellt werden. Jeden Tag kommen mehr Menschen in die Notaufnahmen, da die Apotheken geschlossen haben und die hygienischen Bedingungen in den Wohnungen immer schlechter werden.

Transport & Kommunikation

Den öffentlichen Nahverkehr kannst du noch eingeschränkt nutzen, es ist ein Notfahrplan mit Dieselbussen eingerichtet. Diese sind allerdings hoffnungslos überfüllt. Mit der Bahn kommst du nicht mehr zum Ziel, weil der knappe Treibstoff nur noch für Gütertransporte eingesetzt wird. Wichtige Trassen der Straßen und Schienen müssen für die Einsatzkräfte freigehalten werden.

Die Behörden und Infrastrukturunternehmen können nur noch über ihre eigenen Telefonnetze telefonieren, die im Rahmen der Notfallvorsorge geschaffen wurden. Satellitengestütztes Telefonieren ist noch möglich, die allerwenigsten Privatpersonen verfügen jedoch über ein Satellitentelefon.

Wichtige Informationen werden per Radio und über Lautsprecherdurchsagen verteilt. Zudem sind einzelne überregionale Zeitungen, deren Redaktion und Druckerei mit Notstrom ausgestattet ist, noch aktiv und erscheinen täglich.

Feuerwehr im Dauereinsatz

Die Brandgefahr steigt an. In der Industrie entstehen Brände, weil die Kühlung ausgefallen ist; in Haushalten, weil die Menschen versuchen, ohne Strom zu kochen, zu heizen oder Licht zu erzeugen. Die Gefahrenquellen sind vor allem Gas- & Spirituskocher, Öfen und Holzkohlegrills, Teelichter, Kerzen und Öllampen. Da es an Wasser mangelt und die Feuerwehren dauerhaft im Einsatz sind, ist ein Bekämpfen der Brände nur eingeschränkt möglich.

Würde nun ein Waldbrand entstehen, könnte er nicht gelöscht werden und sich rasend schnell ausbreiten.

Deinen Abfall und Müll wirst du nicht mehr los. Die Müllabfuhr ist eingestellt, in den Städten häufen sich schnell Müllberge an, die zu verrotten beginnen. In den Zoos werden die Tiere nicht mehr gefüttert und verenden – oder versuchen auszubrechen.

Da es keine Straßenbeleuchtung mehr gibt und die Nächte stockdunkel sind, finden vermehrt Gewalttaten gegen Einzelpersonen statt. Auch die Einbrüche in Keller und auch Privatwohnungen häufen sich. Sobald die Nacht einbricht, verbarrikadierst du dich lieber zu Hause. Der Stromausfall dauert an…

Tag 5 bis 8 – Und die Zeit danach

Auf den Straßen gibt es nur noch wenig Verkehr, da bis auf die staatlichen Institutionen beinahe niemand mehr Kraftstoff hat. Auch der notdürftig eingerichtete öffentliche Busverkehr fährt in immer größeren Abständen, wenn überhaupt noch. Um von A nach B zu kommen, wirst du wie die meisten Menschen zu Fuß gehen müssen. Wenn du ein Fahrrad hast, musst du es unterwegs immer fest bei dir behalten – die Zahl der Diebstähle steigt täglich, und Transportmittel sind begehrt.

Der organisierten Kriminalität in den Städten wird kaum noch Widerstand geleistet, weil die Polizeikräfte hoffnungslos überlastet sind. Zudem herrschen in den Gefängnissen unhaltbare Zustände, und viele Wachleute erscheinen gar nicht erst zum Dienst. Es folgen Revolten und massenhafte Ausbrüche. Die nun freigesetzten Schwerkriminellen werden versuchen, auf ihre Art an Wasser, Nahrung und Unterkunft zu kommen.

Die Sicherheitskräfte von Polizei und Militär bewachen die wenigen noch funktionierenden Einrichtungen wie große Krankenhäuser, oder sicherheitsrelevante Einrichtungen wie Waffen- oder Treibstofflager sowie Atomkraftwerke.

Die Meiler müssen durchgehend mit Treibstoff versorgt werden, um die Kühlung der Brennstäbe aufrecht zu erhalten. Manche der alten Notstromgeneratoren geben bereits ihren Geist auf. Wenn eine Treibstofflieferung ausbleibt, besteht die Gefahr einer Kernschmelze.

Es gibt keinen Alltag mehr

In deiner Wohnung ist es seit Tagen kalt, du hast kein fließendes Wasser, keinen Herd, keine Mikrowelle und auch kein Essen, um es darin zuzubereiten. Die Supermärkte sind jetzt leer, nachdem viele Güter in den Häfen, bei der Bahn oder auch in den Produktionsstätten liegen geblieben sind – mangels Möglichkeiten zum Be- und Entladen, zum Lagern bzw. zum Weitertransport.

Für besonders gefragte Waren wirst du hohe Preise bezahlen müssen. Dies verbraucht schnell dein Bargeld. Es ist beinahe unmöglich geworden, an Geld zu gelangen. Die Banken schließen ihre Schalter, wodurch die weitere Bargeldversorgung durch die Bundesbank erschwert wird.

Überall entstehen Schwarzmärkte und Tauschhandel. Den Großteil deiner Zeit verbringst du damit, Wasser und Nahrung zu finden – und es gegen die Wertsachen einzutauschen, die du noch bei dir zu Hause hast.

Wenn du Glück hast, bekommst du auch ein wenig Essen und Hygieneartikel in den Sammelunterkünften und den Suppenküchen. Doch vor allem in großen Städten sind diese hoffnungslos überfüllt und werden immer unregelmäßiger beliefert.

Die Bahn wird einen Güterverkehr mit Dieselloks in geringem Ausmaß bereitstellen. Damit wird ein Teil zur Versorgung der Bevölkerung sichergestellt. In den Rangierbahnhöfen und Terminals der Bahn werden die Güter auf Lkws umgeladen werden, um die Bevölkerung zu versorgen.

Raus hier

Auftretende Brände können nicht mehr gelöscht werden, ganze Häuserblöcke fallen der Flammenwut zum Opfer. Die medizinische Versorgung bricht zusammen. So können zum Beispiel Dialysepatienten nicht mehr versorgt werden und müssen sterben. Aber es kommt auch wieder zu Todesfällen durch kleine Wunden, die sich wegen der schlechten Hygiene und fehlenden Medikamenten entzünden. Vielleicht ist deine beste Option, die Stadt zu verlassen.

Du könntest mit dem Auto fahren, falls du noch ein wenig Treibstoff hast. Die Autobahnen stehen dir dafür noch zur Verfügung. Einige Tunnel werden auch wieder geöffnet, obwohl die Beleuchtung und Belüftung weiterhin fehlen. Natürlich kannst du dich auch mit Rucksack und Wanderschuhen aufmachen.

Bei Unternehmen, die trotz des Stromausfalls weiterhin Verpflichtungen zur Zahlung haben, wird die Liquidität knapp. Die wirtschaftlichen Folgen sind schon jetzt desaströs. Nach diesem Stromausfall bist du wahrscheinlich arbeitslos.

Wie soll dein Leben ab sofort aussehen? Wohin wirst du gehen, wenn es in den Städten nicht mehr sicher ist? Eines ist klar: Nach nur 8 Tagen ohne Strom hat sich deine Welt völlig auf den Kopf gestellt.

Selbst, wenn der Strom jetzt wiederkommt, wird auf viele Jahre nichts mehr so sein, wie es mal war: Die Produktionskapazitäten der Landwirtschaft, Viehhaltung und Industrie sind nachhaltig geschädigt oder gänzlich zerstört. Die Wasserleitungen geben nach einer Woche ohne Durchfluss nur noch braune Brühe von sich und müssen aufwändig gereinigt werden. Wichtige Knotenpunkte der Infrastruktur, wie Brücken oder Tunnel, sind vielleicht durch Unfälle und Brände beschädigt worden. Im schlimmsten Fall ist es in AKWs zu Kernschmelzen gekommen, die ganze Gebiete Deutschlands unbewohnbar gemacht haben.

Ein neues Leben?

Du wirst dich jetzt auf eine Kommunikation von Angesicht zu Angesichts verlegen und diese Art der Kommunikation einen höheren Wert beimessen als früher.

Auf der einen Seite nimmt die tägliche Gewalt zu. Es bilden sich Banden, und begehen Raubzüge.

Andererseits steigt auch die Bereitschaft, anderen Menschen zu helfen. In der Not rücken die meisten näher zusammen.

Hygienestandards, die du gewohnt warst, sind nicht mehr zu realisieren. Berufliche Fähigkeiten, die du vorher geschätzt hast oder die andere an dir geschätzt haben, sind unwichtig geworden.

Du strengst dich an, gegen die Folgen des Stromausfalls anzukämpfen: Du nimmst Kontakt auf, sammelst Informationen, organisierst und planst die Lebensmittelbeschaffung, Kochen, Essen und Hygiene. Die Lebenserhaltung nimmt viel mehr Zeit in Anspruch als früher.

Da dir unbekannt bleibt, wann der Stromausfall sein Ende findet, keimt ein Gefühl von Ohnmacht auf. Andererseits gibt es auch ein Erleben von Erfolg, wenn irgendetwas gelungen ist, wie z.B. etwas zu essen beschafft zu haben unter den herrschenden schwierigen Bedingungen.

Motivation, die Situation des Stromausfalls zu überstehen, kannst du aus unterschiedlichen Gründen beziehen:

Du könntest eine Verantwortung für dir nahestehende Personen verspüren (wie z.B. Partner, Freunde, Bekannte, etc.) und daraus den Drang entwickeln, die Situation mit diesen Personen bzw. wegen dieser Personen, zu überstehen.

Du könntest die Situation auch als Führungsaufgabe ansehen und anstreben, die Ruhe und Übersicht zu bewahren.

Wer vorbereitet ist, ist besser dran

Nur ein kleiner Teil der Bevölkerung hat die erste Woche des Blackouts relativ unbeschadet überstanden: Diejenigen, die sich Lebensmittel, Wasser, Ausrüstung und Bargeld zurückgelegt und im Voraus krisenrelevante Fähigkeiten erlernt und trainiert haben. Sobald der Strom wieder da ist und die Lage sich einigermaßen beruhigt hat, wird auch den anderen Menschen klar, dass man in guten Zeiten stets darauf gefasst sein muss, dass die Lebensumstände sich ändern können.

Gastbeitrag von Benjamin Arlet https://survicamp.de/
 

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