Was geschieht bei einem Stromausfall? - Teil 1

Gastbeitrag von Marcus Kulins

Was geschieht bei einem Stromausfall und was kann zur Abmilderung der Folgen getan werden. In diesem ersten Artikel wird zunächst skizziert, welche Infrastrukturen von Strom direkt abhängig sind und wie sich ein Elektrizitätsaufall auswirkt.

Um zu verstehen, was bei einem Stromausfall passiert, muss zunächst bewusst werden, welche Infrastrukturen in Deutschland von Elektrizität abhängig sind. Dies sind:

Transport und Verkehr: Ohne Elektrizität ist geordneter Transport und Verkehr nicht möglich. Damit fehlt auch die Treibstoffversorgung, da Tankstellen bis auf wenige Nottankstellen keinen Notstrom vorhalten. Auch elektrische Züge werden nicht mehr fahren. In Städten wird durch den Ausfall der Lichtzeichenanlagen mit Einschränkungen und sich häufenden Unfällen zu rechnen sein.

Gefahrstoffe: Beim Ausfall der Lichtzeichenanlagen dürfen Gefahrstoffe nicht mehr ohne Sondergenehmigung transportiert werden. Damit werden Industrie und Tankstellen nicht mehr versorgt. Es ist damit zu rechnen, dass nur noch das transportiert wird, was für die öffentliche Ordnung und die kritische Infrastruktur notwendig ist.

Informationstechnik und Telekommunikation: Ohne Elektrizität ist weder Internet noch Telefonieren möglich. Heute sind auch die Mobilfunknetze nicht mehr mit Akkumulatoren ausgestattet.

Wasserversorgung: Die Wasserwerke halten in der Regel keine flächendeckenden Netzersatzanlagen vor. Das Wasserverbundnetz hält den Druck durch Ausgleichtanks. Wenn einmal der Druck weg war, muss das Netz gespült werden, bevor es wie gewohnt genutzt werden kann. Das Netz ist nur deshalb im Normalbetrieb nicht verkeimt, weil es unter Druck steht.

Abwasserentsorgung: Das Abwasser wird über Fördersysteme in Druckrohren zu den Kläranlagen transportiert. Ohne Elektrizität staut sich das Abwasser innerhalb weniger Tage bis in die Häuser zurück. Dies ist eine sehr gefährliche Situation, da sich Krankheiten wie Ruhr und Cholera schnell verbreiten, wenn die Hygiene nicht mehr einwandfrei ist.

Behörden und Verwaltung: Die Behörden und Verwaltungen werden den Bürgerdienst aussetzen.

Finanz- und Versicherungswesen: Auch diese werden ausgesetzt werden und erst nach der Elektrizitätsversorgung die Buchungen nachholen. Während der abgeschalteten Zeit wird keine elektronische Zahlung möglich sein. Bargeld wird funktionieren, jedoch nur dort, wo keine elektronischen Kassen Pflicht sind.

Energieversorger: Bei einem Elektrizitätsausfall, genauer gesagt schon bei einem Absinken der Netzfrequenz unter 47,5 Hz werden die Kraftwerke vom Netz getrennt und fahren herunter. Dabei ist zu bedenken, dass die meisten Kraftwerke nicht sofort wieder angefahren werden können. Besonders wichtig ist, dass viele Kernkraftwerke nicht inselbetriebsfähig sind. Ohne Netzversorgung muss mit Netzersatzanlagen die Kühlung während der Notabschaltung gesichert werden. Diese Zeitspanne dauert mehrere Monate. Ein Wiedereinschalten des Verbundnetzes kann nur Stück für Stück erfolgen.
Das heißt, es werden erst kleine Kraftwerke gestartet und dann eine Grundlast zugeschaltet, da die Kraftwerke nicht ohne Verbraucher arbeiten können. Danach kann eine Stromtrasse zum nächsten Kraftwerk geschaltet, diese auf die Frequenz synchronisiert und hochgefahren werden. Dann werden mehr Verbraucher zugeschaltet. Dies wird wie ein Puzzlespiel aufgebaut. Es ist damit zu rechnen, dass nach einem Blackout des gesamten Netzes mehrere Wochen bis Monate benötigt werden, um alle Orte wieder zu Versorgen. Dieser Fall wurde nie praktisch getestet oder geübt, da das Netz über Jahrzehnte gewachsen ist. Es sind rund 880 Kraftwerke in Deutschland hierbei zu berücksichtigen. Dazu kommen mehr als 1,4 Millionen Photovoltaikanlagen ohne einheitliche Regelung.

Es folgt in Teil 2 dieses Artikels eine Einschätzung, was individuell abgesichert werden kann.